Das Glaubern zählt zu den letzten fastenvorbereitenden Maßnahmen, denn es dient als Startschuss für das Fasten nach Buchinger & Lützner.

Was ist “glaubern”?

Unter “glaubern” verstehen wir eine gründliche Darmreinigung unter Zuhilfenahme von Glaubersalz.
Der pharmazeutische Name von Glaubersalz heißt Natriumsulfat. Dieses aus farblosen groben Kristallen bestehende Salz wurde im 17. Jahrhundert von dem Apotheker und Chemiker Johann Rudolph Glauber erstmals aus Schwefelsäure und Kochsalz hergestellt.

Die Wirkung von Glaubersalz

Die Wirkung von Glaubersalz beruht auf dem Prinzip der Osmose. D.h. durch eine halbdurchlässige Membran – in diesem Fall die Darmwand – kommt es zu einem Konzentrationsausgleich.
Unser Körper hat einen bestimmten Salzgehalt. Wird nun an einer Stelle  – z.B. im Darm – der Salzgehalt höher, gleicht der Körper diese höhere Konzentration aus, indem er zusätzlich Wasser in dieses Organ einschießen lässt. Es ginge auch umgekehrt, dass er das Salz aus dem Darm in den Rest des Körpers zieht, jedoch sind die gelösten Teilchen der Salzkristalle vom Glaubersalz zu groß, um die Darmwand zu passieren. Also bleibt nur Variante eins übrig. Das viele Wasser im Darm dient nun als Reinigungs- und Lösungsmittel.
Durch den hohen Wasserdruck im Darm entstehen dann mehrere Entleerungsreize hintereinander. Der Darm scheidet das Wasser samt Darminhalt auf seinem natürlichen Weg aus.

Die Glaubersalz-Menge

Damit das Salz die optimale Wirkung zeigt und den Körper dennoch nicht durch einen übermäßigen Wasserverlust belastet, wird die Menge individuell für jeden Faster auf seine individuelle Disposition und Konstitution abgestimmt.
Eine kompetente Fastenleitung erhebt hierfür gewisse Parameter, wie Körpergröße, Körpergewicht, Alter, Blutdruck, Darmtätigkeit und Vorerkrankungen.
Es werden jedoch maximal 40 g Glaubersalz eingenommen.

Eine Faustregel für diejenigen, die nicht unter Anleitung fasten, ist, das Körpergewicht durch 2 zu teilen. Bei stark erhöhtem Blutdruck werden 5 g der so ermittelten Salzmenge abgezogen, bei einem sehr trägen Darm 5 g dazugerechnet.
Jedoch gilt auch hier die Höchstgrenze von 40 g!
Eine Person von 70 kg Körpergewicht mit Bluthochdruck erhält somit 30 g Glaubersalz .

Die richtige Zubereitung des Glaubergetränks

Das grobkristalline Glaubersalz wird in einem mit 750 ml heißem Wasser gefüllten Krug unter gutem Rühren aufgelöst und auf Trinktemperatur abgekühlt (alternativ: Glaubersalz in 500 ml heißem Wasser auflösen und 250 ml kaltes Wasser zufügen). Zur geschmacklichen Verbesserung kann frisch ausgepresster Zitronensaft hinzugegeben werden.
Wer mag, kann das Salz auch in heißem Pfefferminztee auflösen.

Die Einnahme des Glaubergetränks

Das warme Glaubergetränk wird schluckweise, aber zügig innerhalb von 20 – max. 30 min getrunken.
WICHTIG: nach dem Glaubergetränk nochmals in etwa die gleiche Menge Wasser zu sich nehmen, damit das Salz im Körper eine ausreichende Verdünnung erfährt und der Kreislauf nicht durch einen zu hohen Wasserentzug kollabiert.

Die Darmentleerung

… erfolgt spätestens nach 3 Stunden in mehreren Schüben. Bewegung fördert die Ausscheidung.
Es sollte sich ausreichend Zeit dafür genommen werden, und es sollten keine Verabredungen o.ä. ohne Toilette in der Nähe für diesen Tag geplant werden.

Wer sollte nicht glaubern?

Für Personen mit instabilem Kreislauf, eingeschränkter Nierenfunktion, Darmverschluss, Elektrolytstörungen oder unklaren Bauchschmerzen sowie für Kinder ist das glaubern nicht geeignet.
Kinder sollten ohnehin nicht fasten, alle anderen genannten Personenkreise sollten nur unter ärztlicher Aufsicht fasten.

Alternativen zum Glaubern

Es gibt verschiedene Gründe, weswegen jemand nicht glaubern möchte, wie z.B. der Geschmack des Salzes oder die Abneigung gegen chemische Substanzen im Körper (aber wie gesagt, Glaubersalz wird nicht aufgenommen, sondern hinausbefördert, ohne in Körperzellen einzudringen).

Eine Alternative wären über den Tag verteilt mehrere Darmspülungen mit dem Irrigator.
Das Trinken von Sennesblätter-Tee (apothekenpflichtig) hat ebenfalls eine stark abführende Wirkung. Auch dabei sollte auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
Auch das Trinken einer großen Menge Sauerkrautsaft (ca. 700 ml) oder frisch gepressten Weißkohlsaft dürfte zum Erfolg führen.

In den letzten Jahren hat sich die Cassia Fistula unter den Naturheilmitteln als wirksames Mittel zur Darmreinigung erwiesen. Die Wirkstoffe sind denen der Sennesblätter sehr ähnlich.
Cassia Fistula ist die Schote des Indischen Goldregens, welcher in Asien zu Hause ist. Man kann ihren klebrigen Inhalt lutschen oder aus der Masse über Nacht eine leicht fermentierte Lösung herstellen, die dann am nächsten Morgen getrunken wird.
Der fruchtige Geschmack punktet auf jeden Fall.
Weiterhin soll sie Giftstoffe aus unseren Zellen lösen und diese durch die abführende Wirkung auch gleich aus dem Darm befördern.
Das klingt zunächst sehr gut, denn wer fasten möchte, möchte ja entgiften.
Jedoch wirkt sie im Gegensatz zu Glaubersalz bio-chemisch, was bedeutet, dass sie u.a. über die Leber geht und diese in geringem Maße belastet.
Glaubersalz hingegen bleibt nur im Verdauungstrakt und wird komplett wieder ausgeschieden. Es berührt die Leber kein bisschen.
Da die Leber in den kommenden Fastentagen reichlich zu tun hat, würde ich – obwohl ich natürliche Mitteln ansonsten immer den Vorrang gebe – Glaubersalz vorziehen.
Zudem ist die zeitliche Wirkung von Glaubersalz berechenbarer.

Cassia fistula ist dennoch eine gute Alternative für Menschen, die das Glaubersalz absolut nicht herunterbekommen.
Ansonsten würde ich Cassia Fistula nach dem Fasten etwa 3x im Abstand von 2 Tagen kurmäßig in den Aufbautagen anwenden, um die Entgiftung nach dem Fasten noch zu fördern.

Wichtiger Hinweis!

Glaubersalz hat eine stark abführende Wirkung, ist aber als Abführmittel bei Darmträgheit und Verstopfung nicht geeignet. Um auch der schädlichen Wirkung einer regelmäßigen Einnahme von anderen Abführmitteln vorzubeugen, sollte die Ursache der Darmprobleme geklärt und behoben werden, die in den meisten Fällen in einer falschen Ernährungsweise liegt. Als ausgebildete Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Ernährungsbehandlung helfe ich dir dabei gerne.

Ich hoffe, dir mit diesem Beitrag beim Einstieg ins Fasten geholfen zu haben und wünsche dir für deine Gesundheit alles Gute!

Signatur


Quellenangaben:
Dr. med. Hellmut Lützner “Fasten”
Skripte des IEK Berlin zur Fastenleiter-Ausbildung
Ergänzt durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen



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